„Was in einem Eheleben doch alles verborgen ist (…). Man sieht es erst, wenn man tiefer hineinblickt. Der Regisseur Uwe Reichwaldt tut das mit seinem Team am Landestheater Dinkelsbühl. Sie veredeln Was war und was wird.
Das Stück entwickelt am Landestheater eine poetische Aura, die seiner Papierform nicht selbstverständlich ist. Es schwebt im Zwischenreich von Realität und Imagination. (…) Reichwald dreht es noch ein gutes Stück weiter. Auf einmal funkeln die Text-Oberflächen, werden durchsichtig und geben mit Humor und Melancholie den Blick frei auf das, was darunterliegt. Und still feiert Reichwaldt außerdem die Kunst des Theaters selbst.
Dass das glückt, hat drei Gründe. Als ersten: Margret Gilgenreiner und Thomas Weber geben ihrem Ehepaar eine unforcierte Alltäglichkeit mit. Der zweite Grund: das Bühnenbild und die Kostüme. Manuel Kolip stellt ruinös schöne Relikte eines Barocktheaters auf die Bühne. Die bemalten Seitenkulissen und der Rückprospekt ergeben eine Landschaft, einen Park mit Musentempel und Zypressen. Die arkadische Szenerie lädt das Geschehen symbolisch auf. Statt Lenny, das ist der dritte Grund und eine großartig wundersame Findung, stehen da in leuchtend roten Kostümen, wie aus dem 18. Jahrhundert in die Gegenwart gestiegen, zwei hilfreiche Personen. Als hätte sich der Geist des Theaters jenseits gängiger Geschlechtervorstellungen in einem Paar materialisiert, der Kleidung nach ein bürgerliches Mädchen (Leonard Graeber) und ein Adliger (Yannik Dirksen). Zwei überlebensgroße Seelenführer, die Anke und Theo in ihre Vergangenheit und Zukunft geleiten. Der Text, den Reichwaldt diesem Erkenntnis stiftenden Spiegelpaar gibt, lässt sie zu Schillers Paar aus „Kabale und Liebe“ werden. Luise und Ferdinand sterben auch dieses Mal. Anke und Theo leben weiter. Sie haben sich selbst entdeckt: im Theater.“
Thomas Wirth, Fränkische Landeszeitung Dinkelsbühl, 19.01.26
„Was in einem Eheleben doch alles verborgen ist (…). Man sieht es erst, wenn man tiefer hineinblickt. Der Regisseur Uwe Reichwaldt tut das mit seinem Team am Landestheater Dinkelsbühl. Sie veredeln Was war und was wird.
Das Stück entwickelt am Landestheater eine poetische Aura, die seiner Papierform nicht selbstverständlich ist. Es schwebt im Zwischenreich von Realität und Imagination. (…) Reichwald dreht es noch ein gutes Stück weiter. Auf einmal funkeln die Text-Oberflächen, werden durchsichtig und geben mit Humor und Melancholie den Blick frei auf das, was darunterliegt. Und still feiert Reichwaldt außerdem die Kunst des Theaters selbst.
Dass das glückt, hat drei Gründe. Als ersten: Margret Gilgenreiner und Thomas Weber geben ihrem Ehepaar eine unforcierte Alltäglichkeit mit. Der zweite Grund: das Bühnenbild und die Kostüme. Manuel Kolip stellt ruinös schöne Relikte eines Barocktheaters auf die Bühne. Die bemalten Seitenkulissen und der Rückprospekt ergeben eine Landschaft, einen Park mit Musentempel und Zypressen. Die arkadische Szenerie lädt das Geschehen symbolisch auf. Statt Lenny, das ist der dritte Grund und eine großartig wundersame Findung, stehen da in leuchtend roten Kostümen, wie aus dem 18. Jahrhundert in die Gegenwart gestiegen, zwei hilfreiche Personen. Als hätte sich der Geist des Theaters jenseits gängiger Geschlechtervorstellungen in einem Paar materialisiert, der Kleidung nach ein bürgerliches Mädchen (Leonard Graeber) und ein Adliger (Yannik Dirksen). Zwei überlebensgroße Seelenführer, die Anke und Theo in ihre Vergangenheit und Zukunft geleiten. Der Text, den Reichwaldt diesem Erkenntnis stiftenden Spiegelpaar gibt, lässt sie zu Schillers Paar aus „Kabale und Liebe“ werden. Luise und Ferdinand sterben auch dieses Mal. Anke und Theo leben weiter. Sie haben sich selbst entdeckt: im Theater.“
Thomas Wirth, Fränkische Landeszeitung Dinkelsbühl, 19.01.26
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